Totale Sonnenfinsternis in der Türkei 2006

von Paul Hombach

Bericht: s.u.

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2. Kontakt! Alle Bilder (c) Paul Hombach, aufgenommen mit Canon EOS 300D am 80 mm Fluorit in Side / Türkei

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Kurz nach dem 2. Kontakt. Innere Korona und Protuberanzen sind zu erkennen.

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Korona, mittlere Belichtung

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Bei längerer Belichtungszeit sind die schönen Streamer schon bildfüllend...

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Ein fantastischer Diamantring beschließt das Himmelsschauspiel!

Und hier mein allererstes Experiment mit dem Programm Fitswork
Dabei habe ich 5 unterschiedlich lang belichtete Korona-Aufnahmen verarbeitet.
Herzlichen Dank an Hartwig Lüthen für die Anregung und seine Kurzanleitung.
Weitere Experimente zur Bildverarbeitung  mit dem bei Planeten u.a. bewährten Bildverarbeitungsprogramm GIOTTO von Georg Dittié sind in Arbeit...
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Bericht:

Totale SoFi "all inclusive"


von Paul Hombach

Ja, es hätte auch daneben gehen können. Aber allen Wetter-Unkungen zum Trotz: Diese SoFi in der Türkei war perfekt! Allenfalls ein paar zarte Cirren, die während der Totalität den schönen Farbeindruck noch verstärkten, waren zu verzeichnen. Daß es auch anders geht, sah man z.B. zwei Tage später, am Morgen des 31.3.: Da gab es dichte Wolken und sogar etwas Regen. Doch selbst da hätte man zur fraglichen Uhrzeit etwas gesehen. Der 29.3.2006 war aber rund um Side, wo sich augenscheinlich ein Großteil der deutschen Astroszene versammelt hatte (manche der üblichen Tagungen hätte man der Einfachheit halber gleich hier stattfinden lassen können...) mit strahlend blauem Himmel gesegnet und überall gab es nach dem Ereignis ebensolche Gesichter.
Ein Großaufgebot an Optik war am Start, entweder rund um den Hotelpool in Kumköy, am Strand, oder vor der Kulisse des Apollontempels in Side, als pünktlich um 12:38:23 Ortszeit (MESZ +1h) der erste Kontakt erfolgte. Kaum eine Minute später ist die rasch wachsende Delle schon mit einer SoFi-Brille dem geschützten bloßen Auge auffällig. Als die Phase so groß ist, wie etwa maximal im verregneten Deutschland, regt sich noch kein großes Interesse. Man macht brav die üblichen Reihenaufnahmen, die, mit Verlaub, daheim später wenig Beachtung finden. Erst eine halbe Stunde vor Totalitätsbeginn merkt man, daß sich die Lage ändert: Das Licht wird merkwürdig fahl, ein kühler Wind kommt auf und irgendwie rennt einem die Zeit davon, sofern nicht alle Instrumente bereits eingestellt sind. Das Himmelsblau ist anders als sonst, die Schatten werden schärfer. Die Baststühle am Pool wirken wie eine hundertfache Lochkamera und lassen eine Armada winziger Sicheln in ihrem Schatten erscheinen. Irgendwann, wenige Minuten vor dem zweiten Kontakt, kommt der „große Dimmer“, Venus weit im Westen wird überraschend früh sichtbar, von Westen her färbt der heraneilende Mondschatten den Himmel dunkel, fliegende Schatten huschen über den Boden – diesmal eher blaß, vielleicht, weil so nah am relativ kühlen Meer wenig Luftturbulenz im Spiel war, was man auch an dem exzellenten Seeing sehen konnte. Wenn man denkt, jetzt ist es dunkel, kommt der letzte, immer wieder überraschende starke Lichtabfall, wenn der Neumond die schwindende Sonnensichel in letzte Lichtperlen aufgelöst hat, und dann steht wieder dieses optische Wunder am Himmel: Die Korona in feingewebtem Silberlicht, darin wie ausgestanzt der schwarze Mond, umzüngelt von magenta-roten Protuberanzen.
Ich wollte es diesmal, bei meiner 11. zentralen (9. totalen) SoFi etwas entspannter angehen lassen, hatte mir neben dem visuellen Genuß nur die Fotografie mit der EOS 300D an meinem seit 1995 SoFi-bewährten 80 mm Fluorit und ein unkompliziertes Weitwinkelvideo verordnet. Der Einsatz einer neuen Technik bei einer SoFi birgt immer Risiken. Dafür sieht man bei digitalen Kameras sofort das Ergebnis, wo man sonst oft bis nach der Reise bangen mußte: Schärfe und Belichtung waren daher kein Problem. Weder hat die Nachführung gestreikt, noch hat irgend ein Teil im letzten Moment den Dienst versagt. Einziger kleiner Schönheitsfehler: ich konnte im Dunkeln nicht vom JPG in den RAW-Modus wechseln, egal: Die Bilder sind sagenhaft scharf, alle Kontakte erwischt, alle Phänomene, um die es geht: Die Lichtperlen beim 2. Kontakt, die Chromosphäre mit doch einigen Protuberanzen (zuvor bei Mitreisenden schon im Coronado gesehen), innere und äußere Korona mit allen Details: Ähnlich wie bei meiner ersten totalen SoFi 1988 auf den Philippinen (diese war nach 18 Jahren der Saros-Nachfolger, ich konnte quasi „Saros-Volljährigkeit“ feiern...) zeigten sich lange, eher horizontal orientierte Streamer und wahre Prachtbüschel von Polstrahlen. Da zeichnet die Korona direkt sichtbar die Magnetfeldlinien der Sonne nach. Die Form der Korona hängt vom solaren Aktivitätszyklus ab, der sich gerade wieder einem Minimum nähert. Eine solche Form war auch erwartet worden (läßt sich z.T. ja auch mit der Sonnensonde SOHO beobachten). Die innere Korona mit ihr ganzen Dynamik läßt sich wirklich nur bei SoFis beobachten!
Als „Gegengewicht“ meiner Montierung dient mir ein weiterer Eclipse-Veteran: ein 60 mm Reiserefraktor, den ich in der partiellen Phase zur allgemeinen Erbauung zur Projektion verwende und eben jetzt zum direkten Schauen: Rund um die schwarze Sonne ist das koronale Lichtspiel in seiner ganzen Komplexität zu bewundern. Mir fällt ein Bereich auf, der mich ebenfalls an 1988 erinnert und das ich seither bei keiner anderen SoFi sah: Eine „Koronahöhle“ - eine leere Stelle, wo das koronale Plasma quasi wieder auf die Sonne zurückgeflossen ist.
Viel zu schnell kommt der dritte Kontakt, obwohl die SoFi mit knapp 4 Minuten zu einer der längeren gehört. Ein wunderbarer Diamantring erscheint, die ersten Lichtstrahlen geben der Landschaft die Farben zurück, es wirkt schon nach wenigen Momenten fast wieder „normal“, nur, daß man Venus noch eine Weile sieht. Die pastellfarbene 360°-Dämmerung löst sich auf, die Spannung fällt ab – das Ausharren bis zum 4. Kontakt ist gern geübte Pflicht.
Erleichterung, als ich meine Bilder auf Bernd Brinkmanns Laptopmonitor sehe – da stecken massenhaft Details drin! Meine DV-Kamera, die vor der Totalität auf ein weißes Laken am Boden gerichtet hat, verzeichnet tatsächlich leichte Shadowbands. Georg Dittié hat spektakuläre Videos aufgenommen, die an Schärfe das, was per Satellit abends von ARD und ZDF gesendet wurde, weit in den Schatten stellt. Petra Mayer hat eine hochinteressante Temperatur- und Feuchtigkeitskurve gewinnen können.
Nur 5 Tage war ich in der Türkei, mit „all-inclusive“, relativ wenig Aufwand und geringen Kosten sicher eine gemessen an früheren Expeditionen geradezu dekadente Veranstaltung. Doch auch wieder mit (trotz der Kürze) viel Natur (Wasserfälle von Manavgat!) und Kultur. Hier in Pamphylien haben Griechen und Römer ja Baudenkmäler in Hülle und Fülle hinterlassen: Das antike Side, Perge und natürlich das Theater von Aspendos. Wenige km hinter diesem lockt ein Aquädukt mit einzigartigen Druckwasserleitungstürmen.
Das Presseecho am 30.3. war eher verhalten. Zwar war die SoFi auf den Titelseiten türkischer Zeitungen vertreten, mehrseitige Sonderberichte fehlten indes.
Insgesamt war die SoFi touristisch gesehen ein Glücksfall: So konnte die Reisesaison früher als üblich bei mancherorts voller Hotelauslastung beginnen.

Ein Stuhl am Pool erzeugte hundertfach Sonnensicheln...

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Paul in "Pool-Position"....

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Weitere SoFi-Berichte von Reiseteilnehmern, z.B.:
Bernd Brinkmann
Petra Mayer

Jost Jahn

Ein Online-Fotoalbum der Reiseteilnehmer nach Side / Türkei gibt es hier (darunter mein Beitrag hier).

Viele Links zu dieser und anderen Expeditionen gibt es bei Daniel Fischer, seine eigenen Ergebnisse sind hier.

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(c) Paul Hombach 2006            letztes Update 25-04-2006                                                                          

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